Döllnitz heizt mit der Wärme des eigenen Dorfes: Zwölf Parteien haben ein Nahwärmenetz gebaut, das die Abwärme der Biogasanlage im Industriegebiet in die Häuser der Ortschaft bringt. Seit November 2009 ist es in Betrieb.
Die Idee
Energiepreise schwanken stark, und der Wunsch nach regenerativen Quellen wächst. Einzelprojekte wie Solar, Photovoltaik oder Erdwärme sind für Privathaushalte aufwendig und teuer. Naheliegend ist deshalb, Energie zu nutzen, die ohnehin vorhanden ist.
Genau das war in Döllnitz der Fall: Die Biogasanlage im Industriegebiet wurde unabhängig geplant und in Betrieb genommen. Die Wärme, die bei der Stromerzeugung zwangsläufig entsteht, wurde zunächst über eine Kühlanlage ungenutzt abgeführt. Eine Nutzung lag auch im Interesse des Betreibers.

Mehrere Informationsabende zeigten den Interessenten die möglichen Kosten und den Nutzen. Eine Besichtigung einer bereits laufenden Anlage mit Fernwärmenetz in Guttentau räumte die letzten Bedenken aus. Danach erklärte sich die nötige Mindestzahl an Haushalten bereit, Planung und Bau aktiv mitzutragen.
Der Weg zum Netz
Sommer 2009
Gründung der Gesellschaft
Zwölf Parteien gründen am 6. August 2009 per Vertrag die Wärmeleitung Döllnitz GbR. Alle Gesellschafter sind zu gleichen Teilen stimmberechtigt; Vorstand, zweiter Vorstand und Schriftführer führen die Geschäfte.
Planung
Trassen und Technik
Ein Heizungsbauer aus dem Kreis der Gesellschafter übernimmt die technische Leitung. Die Trassen werden eng mit der Stadt Pressath abgestimmt, sodass ein großer Teil der Leitung unter öffentlichen Grünflächen verlegt werden kann. Die Rohrweiten berechnet der Leitungshersteller Rehau, der auch das Material liefert.
Bau
Erdarbeiten in Eigenleistung
Die Angebote örtlicher Baufirmen überstiegen die spätere Wirtschaftlichkeit des Netzes. Deshalb erledigten die Beteiligten einen Großteil der Erdarbeiten selbst, unterstützt von einem Baggerunternehmen. Für die Erdarbeiten waren 14 Tage vorgesehen; ein Mitarbeiter von Rehau schulte alle Beteiligten in der Verbindungstechnik.
November 2009
Inbetriebnahme
Nach einer Prüfung auf Belastbarkeit und Dichtheit geht das Netz in Betrieb. Auch die meisten Hausanschlüsse wurden in Eigenleistung eingerichtet und geprüft.

Die Technik
- Hauptleitung: zwei Rohre (Vor- und Rücklauf) vom Typ UNO DN65 (75 × 6,8 mm), insgesamt 410 Meter zwischen Biogasanlage und Ortschaft
- Auslegung: für eine Übertragung von 205 Kilowatt
- Pumpe: aktiv geregelt, sie liefert nur die tatsächlich benötigte Wärmemenge und spart Strom
- Anschlüsse: Wohnhäuser, ein Baugeschäft und das Besprechungshaus, jeweils mit einem Bedarf von rund 15 bis 20 Kilowatt
- Notfallsystem: In jedem Gebäude bleibt die vorhandene Heizung bestehen. Fällt die Biogasanlage aus, heizt sie das Haus weiter.
- Lebensdauer: Nach Herstellerangaben hält die Leitung deutlich länger als 25 Jahre
Vertrag und Betrieb
Der Landwirt, der die Biogasanlage betreibt, liefert die Wärme auf Grundlage eines Vertrags für 18 Jahre. Die Abnahme ist in dieser Zeit für die Empfänger kostenlos; danach wird über eine mögliche Vergütung neu verhandelt. Eine Ausfallsicherheit ist nicht Teil des Liefervertrags, deshalb der Notfallbetrieb über die eigene Heizung.
Das Netz wurde ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert. Nach Abschluss der Bauarbeiten hat die Gesellschaft Wege und Grünflächen wieder in den Ursprungszustand versetzt.

Ausblick: Auslaufende EEG-Förderung
Die Förderung der Biogasanlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) läuft aus. Die Festvergütung wird für 20 Jahre gezahlt; danach ist ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb nur noch über eine Anschlussförderung in der Ausschreibung oder über die Direktvermarktung möglich. Bundesweit trifft das viele Altanlagen, und die Anschlussförderung reicht nach heutigem Stand nicht für alle aus.
Für die Fernwärme ist das wichtig: Die Wärme fällt als Abwärme des Blockheizkraftwerks nur an, wenn die Anlage Strom erzeugt. Soll die Anlage künftig nur noch bedarfsgerecht oder eingeschränkt Strom erzeugen und einspeisen, steht im Netz entsprechend weniger Wärme zur Verfügung. Wie sich das in Döllnitz konkret auswirkt, hängt von der weiteren Betriebsweise der Anlage ab.
Haushalte, die am Nahwärmenetz hängen, sollten sich deshalb rechtzeitig nach Alternativen umsehen. Realistisch ist vor allem eine Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe; wirklich gute andere Möglichkeiten gibt es kaum.
